16.06.2010
Der letzte Anstieg wird entscheidend sein

Tony Martin: Kann er das Gelbe Trikot verteidigen?
Das Fahrerfeld und der gesamte Tourtross sind immer noch geschockt vom schlimmen Massensturz in Wettingen. Doch der Kampf um Gelb geht trotz teils schweren Verletzungen weiter. Vom Aargau geht es heute über den Kanton Luzern ins Berner Oberland.
Wie schwer wird die Etappe nach Frutigen wirklich? Das fragt man sich, wenn man das Höhenprofil und die Streckenkarte anschaut. Wohl zu schwer für die die Sprinter. Jedoch zu einfach, um eine grosse Selektion im Gesamtklassement herbeizuführen. Das Warten auf die Königsetappe von Donnerstag geht noch weiter.
Strecke: Zurück in den Kanton Bern
Vom Kanton Bern in den Kanton Aargau - und retour. Das ist das Programm der Tour de Suisse am Dienstag und Mittwoch. Von Wettingen führt die Strecke über 173 Kilometer ins Berner Oberland nach Frutigen. Nur die ersten 30 Kilometer durch den Aargau bis nach Muri sind flach. Über den Lindenberg, dem ersten kleinen Tageshindernis, geht es in den Kanton Luzern. Wellig geht der Parcours weiter nach Rothenburg und von dort ins Entlebuch. Mit dem Schallenberg auf 1167 Höhenmeter stellt sich ein Bergpreis zweiter Kategorie den Fahrern in den Weg. Von da geht es runter an den Thunersee. In Spiez geht es rechts weg in Richtung Frutigen. Doch mit dem Anstieg nach Aeschi rund zehn Kilometer vor dem Ziel wartet noch eine Herausforderung, die für den Ausgang der Etappe von Bedeutung sein könnte. Die 200 Höhenmeter werden das Feld in die Länge ziehen und den Sprintern das Leben sehr schwer machen - zu schwer.
Prognose: Massensprint ausgeschlossen
Es wird nicht zu einem Massensprint kommen in Frutigen. Der verheerende Massensturz von Wettingen wird seinen Teil dazu beitragen, dass viele Teams nicht für ihre angeschlagenen Sprinter fahren werden. Es wird eine offene Etappe geben. Gut möglich, dass sich im anspruchsvollen Finale und den letzten leicht ansteigenden Kilometern in den Ferienort Frutigen eine grössere Gruppe absetzt. Zu viele Mannschaften haben noch Ambitionen im Gesamtklassement. Deshalb gibt es im Kampf um den TdS-Sieg 2010 keine Vorentscheidung.
Favoriten: Fahrertypen wie Uran, Kirchen, Roche oder Flecha
Der Kampf um den Etappensieg ist auf der 5. Etappe nach Frutigen offen. Müsste man einen grossen Favoriten nennen, bräuchte es hellseherische Fähigkeiten. Fahrer wie Rigoberto Uran (Col), Kim Kirchen (Lux), Nicolas Roche (Irl) oder Juan Antonio Flecha (Spa) haben die Voraussetzungen, in Frutigen die Ziellinie als Erster zu passieren. Aus Schweizer Sicht bleibt abzuwarten, wie schlimm die Verletzungen von Martin Elmiger sind. Oliver Zaugg und auch Steve Morabito (als Sechster zweitbester Schweizer im Gesamtklassement) können bei einer solchen Zielankunft ein Wörtchen mitreden. Tony Martin lässt sich nicht überlisten, fährt weiterhin stark und wird durch seine Equipe weiterhin gut unterstützt. Der Deutsche bleibt Leader.
Von Christian Rocha