21.06.2009
''Lange her, dass ich so Gas gegeben habe''

Der glückliche Tour de Suisse-Sieger 2009: Fabian Cancellara
Fabian Cancellara spricht nach seinem Gewinn der Gesamtwertung der Tour de Suisse über seine Gefühle, wie er den Erfolg einschätzt und welche Ziele nun in der unmittelbaren Zukunft bevorstehen.
Fabian Cancellara, welche Gefühle durchströmen Sie nach diesem Erfolg in der Tour de Suisse?
Fabian Cancellara: "Es ist noch zu früh, um über meine Emotionen zu sprechen. Ich muss diesen Gesamtsieg zuerst verdauen. Sicher habe ich mit diesem Erfolg ein Ziel verwirklichen können, das ich vor dem Beginn der Rundfahrt nicht für möglich hielt. Meine damalige Verfassung liess einfach keinen anderen Schluss zu. Ich habe von Tag zu Tag weitergeschaut."
Ab welchem Moment haben Sie an den Gesamtsieg geglaubt?
Cancellara: "Erst in diesem Zeitfahren. Im Aufstieg nach Crans-Montana merkte ich, dass vieles möglich ist. Von grosser Wichtigkeit war für mich die Unterstützung durch das Team. Mit dem Sieg zum Tour-Start in Ruggell kehrte mein Selbstvertrauen zurück. Aber es war die Mannschaft -- das Personal eingeschlossen --, die mithalf, diesen Triumph zu realisieren."
Lassen sich die beiden Zeitfahren von Peking, wo Sie Olympiasieger wurden, und nun dieses hier in Bern vergleichen?
Cancellara: "Olympia war etwas anderes. Da bin ich vielleicht sogar noch einen Tick schneller gefahren. In Bern hatte ich vielleicht den grösseren Bonus. Es gab diesen Kampf um die Rückeroberung des gelben Trikots, und es hatte die unglabulich vielen Zuschauer am Strassenrand, die mich zu einer grossen Leistung beflügelten. Jedenfalls ist es lange her, dass ich so Gas gegeben habe."
Nach dem grossartigen Eindruck, den sie hier in Bern in der Prüfung gegen die Uhr hinterliessen, gehen Sie als grosser Favorit an den Start der Tour de France.
Cancellara: "Zum Maillot jaune der Tour de France würde ich nicht nein sagen! Aber der Prolog der Tour ist eine andere Aufgabe. Vor allem auch deshalb, weil sich die Strecke von den Prologen früherer Jahre unterscheidet. Wichtig ist, dass ich mich nun gut erhole, sowohl körperlich als auch mental. Die Form ist da, das Selbstvertrauen auch, und ich denke, eine weitere Steigerung ist möglich."
Am Mittwoch geht es in Nyon um den Schweizer Meistertitel im Zeitfahren. Werden Sie ihn verteidigen?
Cancellara: "Nein, mit meiner Entschuldigung an die Veranstalter, die mich sicher gerne am Start gehabt hätten. Jetzt muss ich mich zuerst von diesen intensiven Tagen erholen. Am Strassenrennen am Sonntag werde ich aber teilnehmen, weil ich vor der Tour de France noch einmal im Rennrhythmus fahren will."
(Si)