21.06.2009
Fabian Cancellara bittet in Bern zur Kür

Reicht die Kraft bei Cancellara?
Jeden Tag wurde spekuliert, wie viel Zeit Fabian Cancellara verlieren würde. Doch in Crans Montana liess er sich wieder nicht abschütteln und keiner zweifelt am seinem Gesamtsieg. Aber was kann zum Schluss noch passieren?
Die Ausgangslage war klar. Wer die Tour de Suisse gewinnen wollte, musste in der Schlusssteigung nach Crans-Montana Zeit gewinnen. Vorjahressieger Roman Kreuziger scheiterte ebenso wie sein Teamkollege Oliver Zaugg. Das Tempodiktat von Saxo Bank war zu schnell, so dass auch die Attacke Andreas Klödens nichts einbrachte.
Anstatt Zeit zu verlieren, gewann Fabian Cancellara sogar noch fünf weitere Bonifikationssekunden und alle sind sich einig, dass nach 2002 mit Alex Zülle endlich wieder ein Schweizer die Tour de Suisse gewinnt.
Technisches Auf und Ab rund um Bern
Start und Ziel des Abschlusszeitfahrens befinden sich direkt beim Stade de Suisse. Zweimal muss ein Rundkurs von gut 19 Kilometern absolviert werden. Dadurch bekommen die Zuschauer die aussergewöhnliche Möglichkeit, die Stars dreimal zu bestaunen und ihnen zuzujubeln. Beim Start, der Durchfahrt bei Rennhälfte und schlussendlich noch beim finalen Zieleinlauf ist man hautnah bi den Fahrern dabei.
Der Parcours führt der Aare entlang bis nach Bremgarten. Bei Stuckishaus passiert die Strecke den Fluss und durch den Bremgartenwald kommen die Rennfahrer zurück in die Stadt. Im Kampf gegen die Uhr durchqueren die Radprofis ganz Bern bis zum Start- und Zielgelände.
Die Strecke misst insgesamt 38.5 Kilometer und wird jedem Einzelnen alles abverlangen. Unzählige Richtungsänderungen erfordern technisches Geschick und das ständige Auf und Ab wird an die Substanz gehen.
Einmann-Show von Cancellara
Für den Tagessieg gibt es nur einen Favoriten: Fabian Cancellara! Alles andere als ein Sieg des Olympiasiegers wäre eine Sensation. Die weiteren heissen Namen sind Roman Kreuziger, Tony Martin, Andreas Klöden, Vladimir Karpets und Gustav Erik Larsson. Aus Schweizer Sicht darf man gespannt sein, wie sich Jung-Profi Marcel Wyss schlagen wird.
Geht man davon aus, dass Cancellara, der wieder das grüne Punktetrikot trägt, kaum jemand den Tour-de-Suisse-Sieg streitig machen kann, geht es im Kampf gegen die Uhr in der Hauptstadt nur noch um die Ehrenplätze. Tony Martin ist unglaublich stark und die grosse Entdeckung der Tour. Andreas Klöden und Roman Kreuziger sind neben dem Gewinner der Bergpreiswertung die grössten Podiumskandidaten.
Valjavec: ''Ich gebe einfach mein Bestes''
Der aktuelle Leader Tadej Valjavec ist auch davon überzeugt, dass gegen Cancellara kaum ein Kraut gewachsen sein wird. Der Spitzenreiter will einfach alles geben und schauen, wozu er fähig ist. Nur wenn dem Slowenen das Zeitfahren seines Lebens gelingt, kann er sich auf dem Podest halten.
Im Gesamtklassement geht es für die Schweizer Michael Albasini und Oliver Zaugg, welche auf den Plätzen 11 und 12 liegen, noch darum, die Top Ten anzuvisieren. Die Zeitabstände sind noch sehr gering und die Plätze werden noch wild getauscht werden.
Der perfekte Sieger
Bleibt zu hoffen, dass trotz der grossen Favoritenrolle Cancellaras die Angelegenheit rund um Bern spannend bis zum Schluss bleibt. Dramatik hin oder her: Ein Sieg unseres „Fäbus" wäre für die Tour de Suisse, die Organisatoren, die Zuschauer und den Schweizer Radsport ein perfekter Abschluss einer sonnenverwöhnten Landesrundfahrt.
Von Christian Rocha