20.06.2009
Fabian Cancellara hat den Gesamtsieg vor Augen

Schafft Fabian Cancellara den grossen Coup?
Für Fabian Cancellara liegt der Gesamtsieg in der Tour de Suisse vor der Haustüre. Dominiert der Olympiasieger das Zeitfahren von heute Sonntag in Bern über 38,5 km, dann ist ihm der Triumph in der Landesrundfahrt nicht zu nehmen. Gewinner der 8. Etappe in Crans-Montana wurde der Bergkönig Tony Martin (De).
Cancellara haushoher Favorit
Eine Sekunde bei einem Zwischenspurt, vier Sekunden für den 3. Etappenrang -- Fabian Cancellara hat im Wallis seinen Rückstand auf den Gesamtersten Tadej Valjavec (Sln) auf vier Sekunden reduziert. Aber wichtiger ist ein anderes Bild. Vor der abschliessenden Prüfung gegen die Uhr weist Cancellara eine Reserve von 24 Sekunden auf Roman Kreuziger (Tsch), 35 auf Tony Martin und 41 Sekunden auf Andreas Klöden (De) auf. Das sind die wichtigsten Gegner des Berners im Kampf um den Gesamtsieg, der seinen Popularitätsgrad in unserem Land ein weiteres kleines Stück steigern würde.
Unterstützung durchs Team
Bei der letzten Bergankunft dieser Rundfahrt wurde Cancellara von seinen Mannschaftsgefährten mustergültig unterstützt. Gustav Erik Larsson, Chris Sörensen, Andy Schleck und auf den letzten Kilometern dessen Bruder Fränk setzten sich in einwandfreier Art und Weise für den Berner ein. Fränk Schleck war mit höchster Aufmerksamkeit darauf bedacht, eine Geschwindigkeit anzuschlagen, die den Gesamtzweiten nicht überforderte.
Am Sonntag wolle er sich eines Olympiasiegers würdig erweisen. Es sei darum gegangen, seine Position zu verteidigen, und diese Aufgabe sei von seiner Mannschaft mustergültig erfüllt worden, sagte Cancellara. Er habe an Vertrauen gewonnen, und der Rhythmus sei da. Aber natürlich weiss der Olympiasieger auch, dass ein Rennen erst auf dem Zielstrich entschieden ist und dass auch ein haushoher Favorit vor Überraschungen nie gefeit ist.
Valjavec sehr müde
Cancellara, Klöden, Martin -- in dieser Reihenfolge sah in Crans-Montana Leader Tadej Valjavec das Schlusspodium in Bern besetzt. Der Slowene hat sein grosses Ziel erreicht, im gelben Trikot zum Zeitfahren antreten zu können. Aber Valjavec, der in seiner Heimat ein kleines Familienhotel eröffnet hat, vermochte sein Vorhaben nicht zu verwirklichen, seinen Vorsprung auszubauen: "Auch nach Crans-Montana hinauf war das Tempo zu hoch. Am Schluss war ich sehr müde."
Martin die Überraschung
Tony Martin, der in Deutschland bereits als Nachfolger von Jan Ullrich gehandelt wird, schaffte das Kunststück, das Festival des Teams Columbia-High Road mit dem sechsten Tageserfolg dieser Sportgruppe fortzusetzen. Der längst als Bergkönig feststehende Athlet aus Cottbus trat 500 m vor dem Ziel an und musste am Schluss Damiano Cunego (It) aufkommen lassen. "Das waren die längsten 150 m meiner Karriere, um mich ins Ziel zu retten. Ich befürchtete, überspurtet zu werden. Der Etappensieg bedeutet mir mehr als die Auszeichnung als bester Kletterer der Rundfahrt", erklärte Martin, der am Freitag gleich zweimal gestürzt war und der diesen Tageserfolg nun als kleine Revanche für sein Pech auffasste. Auch der Allrounder sagte klar, wen es im Zeitfahren zu beachten gilt: "An Cancellara führt kein Weg vorbei!".
von Toni Nötzli (Si), Crans-Montana