19.06.2009
Kim Kirchen siegt im Regen - Valjavec bleibt Leader

Kim Kirchen.
In der Tour de Suisse setzte das Team Columbia-High Road seinen Siegeszug fort. Kim Kirchen gewann in Vallorbe die 7. Etappe vor Roman Kreuziger (Tsch). Tadej Valjavec (Sln) trägt weiterhin das Gesamttrikot.
Die Auseinandersetzung unter den stärksten Fahrern beschränkte sich auf die letzten 8 km hinauf zum auf 1000 m Meereshöhe gelegenen Juraparc. Einen erneut glänzenden Eindruck hinterliess dabei Fabian Cancellara. Der Olympiasieger hielt jederzeit mit den besten Kletterern mit und verteidigte seinen 2. Gesamtrang souverän. Es erstaunte allerdings, dass er von seinen Teamkollegen in der Schlussphase nur noch eine geringfügige Unterstützung erhielt.
Das war bei Tadej Valjavec anders. Der Slowene bedankte sich ausdrücklich bei seinem Mannschaftsgefährten dafür, dass sie dazu beitrugen, dass er das Leadertrikot verteidigen konnte. Diese 7. Etappe, so Valjavec weiter, habe er als bisher schwersten Tag dieser Rundfahrt empfunden: "Ich bin ein Diesel und liebe es, vor einer Schlusssteigung zwei oder drei Berge fahren zu müssen. Zu Beginn unserer Fahrt nach Vallorbe hatte ich die Hoffnung, ich könne am Schluss vielleicht noch eine Attacke fahren. Aber dann musste ich feststellen, dass das Tempo viel zu hoch war. Im Ziel hatte ich den Eindruck, am Ende meiner Kräfte angelangt zu sein."
Der Träger des Leadertrikots konnte also seine Absicht nicht verwirklichen, die Differenz zu Cancellara von neun Sekunden zu vergrössern. Eine letzte Gelegenheit bietet sich ihm heute Samstag bei der Bergankunft in Crans-Montana. Er kenne die Steigungen hinauf in den Walliser Sommer- und Wintersportort, meinte Valjavec, und er sei der Ansicht, dass das Ziel von der leichteren Seite her angesteuert werde. Zwei Minuten, so schätzte der Leader, müsste er vor dem Zeitfahren in Bern Reserve haben, um diese Tour de Suisse als Gesamtsieger zu beenden.
"Heute war Cancellara sehr stark", stellte Valjavec fest. Und auch zu Kim Kirchen äusserte sich der Leader ähnlich: "Ich rechnete mit ihm. Er fährt im Regen immer stark." Genau mit dem Wetterumschwung hatte sich der Luxemburger ausgerechnet, dass sein Tag für einen Etappensieg gekommen sein könnte. Kirchen sprintete 750 m vor dem Ziel aus dem Feld und überholte 150 m vor der Ziellinie Roman Kreuziger. Der letztjährige Sieger der Tour de Suisse hatte einen Angriff zu Beginn der Steigung gewagt und wurde durch Kirchen um die Früchte seiner Anstrengungen gebracht. Im Team Columbia-High Road freute man sich über den fünften Tagessieg in dieser Rundfahrt. Mark Cavendish (2), Bernhard Eisel und Michael Albasini hatten das Skore eröffnet.
Kim Kirchen hatte zu Beginn der Saison eine Zwangspause einschalten müssen, weil er sich im Februar bei einem Sturz in der Kalifornien-Rundfahrt einen zweifachen Bruch eines Schulterblattes zugezogen hatte. Im Final habe er über gute Beine verfügt, und 500 m vor Schluss sei für ihn klar gewesen, dass er gewinnen werde, so Kirchen. Der Luxemburger, der letztes Jahr während vier Tagen das Maillot jaune der Tour de France getragen hatte, erklärte, er sei nicht nur zum Training in die Tour de Suisse gekommen: "Ich will auch Resultate machen. Mit diesem Sieg ist mein Vertrauen enorm gestiegen. Und Cancellara hat mich beeindruckt."
von Toni Nötzli (Si), Juraparc