18.06.2009
''Habe schon ein bisschen Bammel''

Beat Zberg macht sich Sorgen.
Das 7. Teilstück von Bad Zurzach hinauf zum Juraparc führt durch nicht weniger als sieben Städte. Für Streckenkoordinator Beat Zberg, der leicht skeptisch auf die Etappe blickt, ein sicherheitstechnisches Wagnis.
Der ehemalige erfolgreiche Radprofi Beat Zberg zeichnet sich zum zweiten Jahr in Folge für die Streckenführung der Tour de Suisse verantwortlich. Die Etappe aus dem Aargau bis in den jurassischen Juraparc oberhalb Vallorbe bereitet dem Urner jedoch einiges an Kopfzerbrechen.
„Städterundfahrt" am Feierabend
Denn sicherheitstechnisch wird die 7. Etappe eine unglaubliche Herausforderung darstellen. Nicht weniger als sieben Städte werden durchfahren. Vom Kurort am Rhein geht es über Brugg, Aarau, Olten, Solothurn, Grenchen, Biel bis nach Neuenburg, bevor es über Orbe hoch bis in den Juraparc geht. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass diese „Städterundfahrt" am Freitagnachmittag, bzw. im frühen Abend stattfindet.
Für eine normale Etappe stehen dem Streckensicherungschef Max Wullschleger zwanzig Polizisten und 32 Motorradfahrer der Sicherheitstruppe zur Verfügung. Dazu kommen hundert Mitglieder des Schweizer Militärs. Dies reicht aber für die Riskio-Etappe nicht aus. Weitere fünfzig Mann des Militärs werden am Freitag eingesetzt. Zusätzlich sind die Tour de Suisse Organisatoren auf regionale Helfer wie Zivilschutz, Feuerwehr oder Mitglieder von Veloklubs angewiesen.
Grosse Investition für Attraktivität
Doch wieso findet denn eine solche Etappe überhaupt statt, wenn sie logistisch solch grosse Probleme bereitet? „Wir mussten eine Strecke von Bad Zurzach in den Zielort Juraparc finden. Wir haben mehrere Varianten geprüft, doch dann wären die Rennfahrer 250 statt nun 200 Kilometer unterwegs gewesen", erklärt Beat Zberg seine schwierige Ausgangslage.
Streckenkoordinator Zberg sieht auch positive Seiten: „Wir versuchen den Radsport nahe an die Leute zu bringen. Es ist äusserst attraktiv, wenn wir vor so vielen Zuschauern fahren können." Der Urner ergänzt jedoch umgehend: „Die Investition ist aber äusserst hoch."
62 Kreisel und 270 Verkehrsinseln als Hindernis
Bis eine Etappe „geboren" wird, braucht es monatelange Arbeiten. Nach einer Grobplanung nimmt Zberg etwa eineinhalb Jahre vor der effektiven Austragung einer Etappe Kontakt mit den Behörden auf. Die Etappen werden abgefahren, alle Details mit einem GPS-Gerät aufgenommen. Wenn Zberg dabei Probleme feststellt, kann er die Streckenführung noch abändern. Erst dann wird ein offizielles Bewilligungsgesuch an die verschiedensten Polizeistellen gestellt.
Bevor die Strecke der Tour de Suisse 2010 am Ende der Rundfahrt vorgestellt wird, hofft Beat Zberg, dass auf dem Weg in den Jura keine Probleme auftreten und das Rennen unfallfrei über die Bühne geht.
Alle Beteiligten, Zuschauer, Sicherheitsangestellten wie auch die Rennfahrer sind gefordert, denn schliesslich warten 270 Verkehrsinseln und 62 Kreisel darauf, vom Tourtross unbeschadet passiert zu werden.
Von Christian Rocha