
Cancellara ist zum Auftakt im Ländle der grosse Schweizer Hoffnungsträger
Die Veranstalter und wohl auch das einheimische Publikum hoffen, dass die 73. Tour de Suisse am Samstag durch den Sieg von Fabian Cancellara lanciert wird. Im Kampf um den Gesamtsieg dürften wohl eher die Ausländer im Vordergrund stehen.
In den vergangenen Jahren war der Olympiasieger aus nationaler Sicht der Erfolgsgarant. Cancellara gewann 2003 in Egerkingen den Prolog und trug für einen Tag das Leadertrikot. 2007 entschied der Berner das Auftakt-Zeitfahren in Olten für sich und lag sogar drei Tage lang an der Spitze des Gesamtklassementes. Letztes Jahr folgten die beiden viel beachteten Etappenerfolge in Lyss und Bern, die von der guten Verfassung Cancellaras kündeten.
Bisher leere Hände im 2009
Und heuer? Bislang steht Cancellara mit leeren Händen da. Die Erkältung, die ihn in der Kalifornien-Rundfahrt zur Aufgabe zwang, und kurz darauf der Trainingssturz warfen alle Pläne über den Haufen. Im Giro d'Italia fuhr Cancellara elf Tage mit und stieg dann aus. Er habe diese Rennhärte gebraucht, weil er seine Form nie richtig aufbauen konnte. Er habe wieder gespürt, dass er ein Rennfahrer sei. Jetzt sei er bereit zu leiden.
Die grossen Schmerzen sind morgen Samstag im Zeitfahren von Mauren nach Ruggell über 7,8 km noch nicht angesagt, auch wenn der Effort im Fürstentum Liechtenstein nicht zu unterschätzen ist, den ein Fahrer in einer solchen Prüfung gegen die Uhr leisten muss. Leiden werden Cancellara und seine Berufskollegen mit den "grossen Motoren" eher in den Bergen. Die hundertprozentige Sicherheit hat der Berner nicht, dass er bei der neuesten Auflage der Landesrundfahrt als erster Fahrer auf das Podest steigen darf. Die Gegner sind nicht zu unterschätzen. So könnte beispielsweise Tony Martin (De) ein Überraschungscoup gelingen.
Was machen die Schlecks?
Cancellaras Arbeitgeber, das Team Saxo Bank, rückt mit dem Tour-de-France-Aufgebot an. Die Brüder Fränk und Andy Schleck sind die Aushängeschilder. Dies heisst aber nicht zwingend, dass die beiden Luxemburger auf den Schweizer Strassen auf den Gesamtsieg fahren. Es ist auch denkbar, dass sie an einzelnen Tagen einen Formtest vornehmen. Gleiches gilt für den letztjährigen Sieger Roman Kreuziger, der in seinem Team Liquigas zusammen mit Vincenzo Nibali als Captain für die Tour de France gesetzt ist und deshalb wahrscheinlich andere Ziele verfolgt als den neuerlichen Gesamtsieg in der Tour de Suisse.
Albasini, Zaugg, Rast und Loosli als Hoffnungsträger
Die nicht übertrieben schwierige Streckenführung mit dem allerdings anspruchsvollen 39-km-Zeitfahren zum Ende der Tour in Bern könnte Andreas Klöden, dem letztjährigen Zweiten, gelegen kommen. Von den Schweizern ist am ehesten Michael Albasini, Gregory Rast, Oliver Zaugg und David Loosli ein gutes Schlussergebnis zuzutrauen.
Bei den Massenankünften werden alle Gegner das Hinterrad des englischen Superstars Mark Cavendish suchen. Im Verlaufe der neun Tage werden die Sprinter aber nur spärlich Gelegenheit finden, ihr Können zu zeigen. Im Ausland, bei der Bergankunft in Serfaus (Ö), wird aller Voraussicht nach die erste Vorentscheidung um den Gesamtsieg fallen. Die Ankunft in Crans-Montana leitet mit einer weiteren Selektion über zum grossen Final in Bern.
Von Toni Nötzli (Si)
Strecke
1353,4 Kilometer von Mauren bis Bern
73. Tour de Suisse. Der Streckenplan. Samstag, 13. Juni. 1. Etappe, Zeitfahren Mauren - Ruggell (7,8 km, 15.08 bis 18.15 Uhr): Mauren - Bendern - Gamprin - Ruggell. -- Sonntag, 14. Juni. 2. Etappe, Davos - Davos (149,8 km, 13.29 bis 17.18 Uhr): Davos - Klosters - Küblis - Schiers - Landquart - Fläsch - Bad Ragaz - Landquart - Chur - Domat/Ems - Bonaduz - Thusis - Tiefencastel - Wiesen (Bergpreis 1. Kategorie) - Davos-Glaris (Bergpreis 3. Kat.) - Davos (Promenade).
Montag, 15. Juni. 3. Etappe, Davos - Lumino (195,4 km, 13.12 bis 17.56 Uhr): Davos - Wiesen - Tiefencastel - Thusis - Bonaduz - Versam - Ilanz - Trun - Disentis - Lukmanierpass (Bergpreis 1. Kat.) - Olivone - Biasca - Lodrino - Galbisio (Bergpreis 4. Kat.) - Bellinzona - Castione - Lumino. -- Dienstag, 16. Juni. 4. Etappe, Biasca - Stäfa (196,6 km, 12.48 bis 17.54 Uhr): Biasca - Ambri - Airolo - Gotthardpass (Bergpreis hors catégorie) - Andermatt - Göschenen - Amsteg - Erstfeld - Altdorf - Flüelen - Schwyz - Sattel - Bennau - Einsiedeln - Sattelegg (Bergpreis 2. Kat.) - Siebnen - Uznach - Eschenbach - Rüti - Hombrechtikon - Stäfa. -- Mittwoch, 17. Juni. 5. Etappe, Stäfa - Serfaus (Ö, 201,5 km, 12.37 bis 17.55 Uhr): Stäfa - Rapperswil - Neuhaus - Ricken - Wattwil - Neu St. Johann - Stein - Wildhaus (Bergpreis 3. Kat.) - Gams - Sennwald - Feldkirch - Bludenz - Wald - Langen - Arlbergpass (Bergpreis 1. Kat.) - St. Anton - Landeck - Ried - Ladis (Bergpreis 1. Kat.) - Fisser Höfe (Bergpreis 3. Kat.) - Serfaus.
Donnerstag, 18. Juni. 6. Etappe, Oberriet - Bad Zurzach (178 km, 13.37 bis 17.58 Uhr): Oberriet - Hölzlisberg - Eggerstanden (Bergpreis 2. Kat.) - Appenzell - Herisau - Gossau - Flawil - Wil - Eschlikon - Elgg - Winterthur - Embrach - Bülach - Weiach - Bad Zurzach - Zurzacherberg (Bergpreis 3. Kat.) - Endingen - Schneisingen - Bad Zurzach - Zurzacherberg (Bergpreis 3. Kat.) - Endingen - Schneisingen - Bad Zurzach. -- Freitag, 19. Juni. 7. Etappe, Bad Zurzach - Vallorbe/Juraparc (204,1 km, 13.07 bis 17.56 Uhr): Bad Zurzach - Würenlingen - Stilli - Brugg - Wildegg - Aarau - Dulliken - Olten - Egerkingen - Niederbipp - Solothurn - Grenchen - Biel - Twann - Le Landeron - Neuenburg - Colombier - St. Aubin - Grandson - Orbe - Le Day (Bergpreis 3. Kat.) - Juraparc (Bergpreis 2. Kat.) - Vallorbe/Juraparc. -- Samstag, 20. Juni. 8. Etappe, Le Sentier - Crans-Montana (181,7 km, 13.20 bis 17.56 Uhr): Le Sentier - Col du Mollendruz - Cossonay - Morges - Lausanne - Lutry - Vevey - Montreux - Villeneuve - Aigle - St-Maurice - Fully - Chamoson - Sitten - Botyre (Bergpreis 3. Kat.) - Icogne - Bluche - Montana/Route du Rawyl (Bergpreis 1. Kat.) - Crans-Montana. -- Sonntag, 21. Juni. 9. Etappe, Einzelzeitfahren in Bern (38,5 km, 13.01 bis 17.30 Uhr): Bern - Worblaufen - Bremgarten - Stuckishaus - Bern - Aargauerstalden - Bern (2 Runden). -- Totaldistanz: 1353,4 km.