21.06.2008
Zülle: ''Habe mich vertippt!''

Zülle: ''Kreuzinger's Vater fuhr mit mir.''
Redaktion: Alex Zülle, wenn ich Sie vor dem Zeitfahren am Klausenpass gefragt hätte, wer es gewinnen würde, auf wenn hätten Sie getippt?
Zülle: Auf Kirchen! Ich habe gesehen, wie er das Rennen in Verbier gewonnen hat und das hat mich überzogen. Er war einen ''Tick'' stärker als die anderen Favoriten in der Gruppe. Er hat viel gearbeitet und ist gut gesprintet. Kirchen war den anderen Favoriten gegenüber weit überlegen!
Jetzt ist es aber anders gekommen.
Tatsächlich, ich habe mich vertippt. Dass er als einziger von denen, die schon vor dem Zeitfahren ganz vorne mitdabei waren, nicht mehr um den Gesamtsieg mitmischt ist für mich die grösste Überraschung nach dem Klausenrennen.
Ihre Erklärung dafür?
Kirchen hat offenbar in der Etappe nach Verbier zu viel Kraft verloren. Für mich war klar, dass wenn er diesen Rhythmus ins Klausenrennen mitnehmen kann, dann wird er siegen. Kirchen war im Zeitfahren lange mitdabei, ist dann aber eingebrochen und hat nun alles verloren.
Gewonnen hat dafür Kreuzinger.
Da muss ich sagen: Hut ab wie der junge Kreuzinger das Rennen gefahren ist.
Ein Sieg eines Aussenseiters?
Nein, halt. Er galt schon immer als ein riesiges Talent. Sein Talent hat er von seinem Vater vererbt. Als ich noch Profi war, fuhr ich mit seinem Vater. Der Sohn ist aber das grössere Talent als sein Vater!
Was sind Ihre Erfahrungen mit Vater Kreuzinger?
Er wurde ja bekannt nachdem er die Österreichrundfahrt eins, zwei Jahre vor mir gewonnen hat. Er war in einem italienischen, ich in einem spanischen Team und wir fuhren immer in Italien gegeneinander.
Hast du in dem Fall den Fahrstil des Vaters im Sohn wieder erkannt?
Nein, der Vater ist genau das Gegenteil von seinem Sohn. Der Vater war ein Kraftprotz. Er war kam gut den Berg hoch und auch im Sprint war er top. Ein richtiges Krafpaket halt. Sein Sohn ist schmächtig und ''ausgemergelt''.
Morgen geht die 72. Tour de Suisse bereits zu Ende. Wer wird gewinnen?
Das Podium morgen wird genau das gleiche sein wie es heute schon ist.
Also das heisst: 1. Kreuzinger, 2. Klöden und 3. Anton. Über Kreuzinger haben wir nun gesprochen, wie aber fällt Ihr Fazit über Klöden und Anton aus?
Anton ist im Zeitfahren vom Klausenpass ein super Rennen gefahren. Er steht auf dem Podium und kann zufrieden damit sein. Spanien hat einmal mehr ein junges Talent hervorgebracht. Klöden ist ein Rundfahrtenspezialist, das weiss man, und im Zeitfahren vom Klausenpass hat er auch seine Zeitfahrenstärke unter Beweis gestellt.
von Oliver Spieser